Ausgewählte Entscheidungen mit Einordnung
BFH, mündliche Verhandlung am 11.11.2026 · II R 12/25
Hessisches Grundsteuergesetz vor dem Bundesfinanzhof
Der II. Senat verhandelt über die Landesgrundsteuergesetze von Hessen (II R 12/25) und Hamburg (II R 15/25). Eine Entscheidung wird am Verhandlungstag nicht verkündet, der Verkündungstermin soll gesondert mitgeteilt werden. Für Eigentümer in Rüsselsheim und ganz Hessen ist das Verfahren wichtig. Wer gegen seinen Grundsteuerbescheid Einspruch eingelegt hat, sollte den Ausgang abwarten und mit uns das weitere Vorgehen besprechen.
Quelle: PwC Steuern und Recht
BFH, Urteil vom 09.07.2026 · III R 8/25
Kindergeld: Entscheidend ist der Lebensmittelpunkt des Kindes
Hält sich ein Kind in beiden Haushalten der Eltern auf, kommt es darauf an, wo es überwiegend lebt und seinen Lebensmittelpunkt hat. Die Zahlung von Barunterhalt ist dafür nach Auffassung des Gerichts kein geeignetes Kriterium. Das betrifft vor allem getrennt lebende Eltern.
Quelle: Haufe, Übersicht vom 01.10.2026
BFH, Urteil vom 02.07.2026 · V R 36/24
Umsatzsteuerliche Organschaft: finanzielle Eingliederung
Die finanzielle Eingliederung kann auch dann vorliegen, wenn für Beschlüsse eine Zweidrittelmehrheit in der Satzung vorgesehen ist. Im entschiedenen Fall hielt der Organträger 60 Prozent der Anteile und stellte den einzigen Geschäftsführer. Wichtig für Unternehmensgruppen, die ihre Organschaft prüfen.
Quelle: Haufe, Übersicht vom 08.10.2026
BFH, Urteil vom 25.06.2026 · III R 35/23
Insolvenzverwaltervergütung als Betriebsausgabe
Die Vergütung eines Insolvenzverwalters kann beim Insolvenzschuldner Betriebsausgabe sein, soweit sie dazu dient, betriebliche Verbindlichkeiten zu erfüllen. Für einen noch nicht fälligen Vergütungsanspruch kommt eine Rückstellung in Betracht.
Quelle: Haufe, Übersicht vom 08.10.2026
BFH, Urteil vom 11.06.2026 · VI R 16/24
Erben und die Bekanntgabe von Steuerbescheiden
Erben können die gesetzliche Vermutung, ein Steuerbescheid sei zugegangen, nur mit konkreten und belastbaren Tatsachen entkräften. Allgemeine Zweifel genügen nicht. Das ist relevant für Einspruchsfristen im Erbfall.
Quelle: Haufe, Übersicht vom 06.08.2026
Ausgewählte Entscheidungen mit Einordnung
FG Niedersachsen, Urteil vom 21.01.2026 · 3 K 78/24
Falsche Entfernungskilometer können Steuerhinterziehung sein
Ein Arbeitnehmer gab seinem Arbeitgeber für den Firmenwagen eine Strecke von 22 Kilometern an, setzte in der Steuererklärung aber 99 Kilometer als Fahrtkosten an. Das Gericht sah darin Steuerhinterziehung und ließ deshalb die verlängerte Festsetzungsfrist von zehn Jahren zu. Die Berufung darauf, der Steuerberater habe die Zahlen eingetragen, half nicht. Für die Praxis heißt das: Angaben gegenüber Arbeitgeber und Finanzamt sollten zutreffend und einheitlich sein.
Ob das Urteil rechtskräftig ist, ergibt sich aus der Quelle nicht. Quelle: beck-aktuell
FG Münster, Beschluss vom 03.06.2026 · 9 V 583/26
Aussetzungszinsen von 0,5 Prozent pro Monat: verfassungsrechtliche Zweifel
Das Gericht hat ernstliche Zweifel, ob der Zinssatz von 0,5 Prozent pro Monat für Aussetzungszinsen in den Jahren 2014 bis 2018 verfassungsgemäß war, und gewährte die Aussetzung der Vollziehung in voller Höhe. Betroffene sollten offene Zinsbescheide aus diesen Zeiträumen prüfen lassen und gegebenenfalls Einspruch einlegen. Der Beschluss ist keine abschließende Klärung durch ein höchstes Gericht.
Quelle: Grant Thornton
Termine bis zum Jahresende 2026
- 15.12.2026
- Antrag auf Verlustbescheinigung bei der Bank, wenn Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken angefallen sind und in der Steuererklärung 2026 verrechnet werden sollen.
- 21.12.2026
- Beitragsnachweis für die Sozialversicherung übermitteln, damit er der Einzugsstelle am 22.12. vorliegt.
- 28.12.2026
- Gesamtsozialversicherungsbeiträge sind fällig und müssen bis dahin gutgeschrieben sein.
- 31.12.2026
- Offenlegung des Jahresabschlusses 2025 im Unternehmensregister für Kapitalgesellschaften und bestimmte Personenhandelsgesellschaften. Eine Fristverlängerung ist gesetzlich nicht vorgesehen.
- 31.12.2026
- Letzter Tag für eine freiwillige Steuererklärung für das Jahr 2022.
- 31.12.2026
- Viele Forderungen aus dem Jahr 2023 verjähren. Einfache Mahnungen hemmen die Verjährung nicht, ein gerichtlicher Mahnbescheid oder eine Klage schon.
Quelle: ETL
Steuererklärung 2025
Ohne steuerliche Beratung endete die Abgabefrist am 31. Juli 2026. Wird die Erklärung von einem Steuerberater erstellt, gilt grundsätzlich der 1. März 2027, sofern das Finanzamt keine frühere Abgabe verlangt.
Einkommensteuerreform 2027 (Gesetzentwurf)
Das Bundeskabinett hat einen Entwurf beschlossen, der Familien und kleinere Einkommen entlasten soll. Das Gesetzgebungsverfahren läuft, die Werte können sich noch ändern.
| Merkmal | 2026 | 2027 | 2028 |
| Grundfreibetrag | 12.348 € | 12.564 € | 12.900 € |
| Kindergeld je Kind und Monat | 259 € | 267 € | 272 € |
| Kinderfreibetrag je Kind (Zusammenveranlagung) | 9.756 € | 10.056 € | 10.236 € |
| Arbeitnehmer-Pauschbetrag | 1.230 € | 1.430 € | – |
Zur Gegenfinanzierung sind unter anderem vorgesehen: Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen sinkt von 20 auf 15 Prozent (Höchstbetrag 900 statt 1.200 Euro), die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent, und die Grenze für steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge steigt von 50 auf 75 Euro Grundlohn je Stunde.
Quellen: PwC, Steuerschroeder
Jahressteuergesetz 2026
Der Entwurf befindet sich im Gesetzgebungsverfahren. Zu den Schwerpunkten zählen die Umstellung der umsatzsteuerlichen Organschaft auf ein Antragsverfahren, Erleichterungen bei der Quellensteuerentlastung nach § 50c EStG und neue Vereinfachungsregeln im Mindeststeuergesetz. Stand der Quelle: Juli 2026.
Quelle: EY Steuernachrichten
Die Zusammenfassungen sind in eigenen Worten verfasst und ersetzen keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind die Originalentscheidungen, die Sie anhand der Aktenzeichen auf den Seiten der Gerichte finden. Fragen zu Ihrer Situation beantworten wir gern im persönlichen Gespräch.